Die freie Arztwahl steht auf dem Spiel

09. 10. 12
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Warum wir Ärzte gegen die aktuelle Honorarpolitik protestieren

  • 0,9 % Honorarerhöhung bedeuten angesichts der Inflationsrate Minusrunde
  • steigende Arbeitsbelastung durch Bürokratie der Krankenkassen
  • Protesttag am 10.10 2012 – wenn die morgigen Verhandlungen scheitern

Kassel, 8.10.2012. Am Dienstag verhandeln KBV und Kassenfunktionäre im Bewertungsausschuss erneut über die Honorare der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten für 2013. Die Berufsverbände haben bereits verschärfte Proteste und Praxisschließungen angekündigt, sollte die neue Verhandlungsrunde erfolglos bleiben. In diesem Fall werden am Mittwoch, 10. Oktober, auch in Kassel viele Arztpraxen lediglich mit der dort praktizierenden Ärztin oder dem Arzt besetzt sein – oder ganz geschlossen haben. Die medizinischen Fachangestellten (MFA) protestieren stattdessen zwischen 11.00 und 13.00 Uhr vor der Filiale der AOK, Friedrichsplatz 14, in Kassel.
Denn bei der aktuellen Diskussion um die Vergütung der rund 150.000 Ärzte sind auch 560.000 medizinische Fachangestellte betroffen: „Wenn es bei den 0,9 Prozent Honorarerhöhung bleiben, die die Krankenkassen angeboten haben, kann dies unter anderem bedeuten, dass viele niedergelassene Haus- und Fachärzte die steigenden Kosten für den Betrieb ihrer Praxen nicht mehr decken können“, so Dr. Stefan Pollmächer, Arzt für Allgemeinmedizin, Psychotherapeut und Vorstand der Ärzte- und Psychotherapeutengenossenschaft DOXS eG.
Wenn deshalb Praxen schließen müssten, erhielten Patienten langfristig eine medizinische Versorgung nur noch in Polikliniken und Klinikambulanzen – wohnortfern und mit anonymen, wechselnden, angestellten Ärzten, erklärt Dr. Pollmächer. „Wir sind jedoch davon überzeugt sind, dass die wohnortnahe ambulante medizinische Versorgung durch niedergelassene Ärzte eine tragende Säule des Gesundheitssystems ist, die zum Wohle der Patienten erhalten bleiben muss. Deshalb protestieren wir gegen den aktuellen Honorarbeschluss“, so der DOXS-Vorstand. Die bisher angebotene Honorarerhöhung berücksichtige in keiner Weise, dass die Praxiskosten seit der letzten Vereinbarung im Jahr 2008 drastisch gestiegen seien.

Sollte es bei den in Aussicht gestellten 0,9 Prozent bleiben, bedeute dies unter Umständen weniger Personal, dadurch schlechterer Service und längere Wartezeiten. Auch könnten wichtige Praxisausstattungen nicht erneuert und müssten notwendige Investitionen verschoben werden. Nicht zuletzt bleibe nicht genügend Zeit für den einzelnen Patienten. „Schon jetzt geht viel zu viel Zeit für den hohen und oft überflüssigen Bürokratieaufwand verloren, den die Krankenkassen verursachen“, so Dr. Pollmächer. Die Zeit, die für Formalitäten mit den Krankenkassen benötigt werde, fehle zunehmend bei der Versorgung der Patienten, „auch dagegen richtet sich unser Protest“.

Aktionstag „Praxis ohne Mitarbeiter“
Am Mittwoch, dem 10. 10. werden sich die Patienten auf längere Wartezeiten bei ihrem Arzt/ihrer Ärztin einstellen müssen, da diese/r sämtliche Tätigkeiten in der Praxis alleine übernimmt. Andere Praxen werden ganz geschlossen sein. Die gesetzlichen Krankenkassen verbreiten in der Öffentlichkeit das Bild des überbezahlten Arztes und blenden dabei bewusst aus, dass selbständige Ärztinnen und Ärzte auch verantwortlich für die Arbeitsplätze von vielen – hauptsächlich weiblichen - Mitarbeitern sind. Wie eine Arztpraxis dann ohne qualifizierte Mitarbeiter funktioniert, davon können Sie sich selber vor Ort überzeugen.

Hinweis für Medienvertreter:
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an
Dr. Stefan Pollmächer,
Facharzt für Allgemeinmedizin und Psychotherapeut in Kassel,
Vorstand DOXS eG, Tel.: 0160 – 47 36 96 8.