Bessere Lebensqualität für Patienten mit chronischen Wunden und mehrfach resistenten Keimen

23. 11. 11
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DOXS eG und medicalnetworks schließen Vertrag zur integrierten Versorgung (IV) mit Betriebskrankenkassen in Hessen

•    bundesweit einmaliges Projekt
•    Vertrag greift für ca. 3.000 Patienten in Nordhessen
•    rund 60 Betriebskrankenkassen beteiligt
•    ambulante Pflegedienste einbezogen
•    neuartige elektronische Pflegeakte verbessert Zusammenarbeit
•    Kooperation  mit MRSA/MRE-Netzwerk Nordhessen

Etwa vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an schlecht heilenden chronischen Wunden, rund 15.000 Patienten sind es in Nordhessen. Für viele von ihnen wird demnächst eine integrierte Wundversorgung die Lebensqualität verbessern. Dies ist das Ziel eines Vertrages, den die Ärzte- und Psychotherapeutengenossenschaft DOXS eG und ihr Kooperationspartner medicalnetworks CJ GmbH & Co. KG jetzt mit den Betriebskrankenkassen in Hessen  geschlossen haben. Die Vertragspartner kooperieren dabei mit dem MRSA/MRE-Netzwerk in Hessen.  

Ursachen: Durchblutungsstörungen, Diabetes oder Immunschwäche
Chronische Wunden entstehen nicht plötzlich, sondern entwickeln sich langsam. „Von `chronisch´ sprechen Ärzte, wenn eine Wunde nach vier bis zwölf Wochen noch nicht geheilt ist. Häufig verhindern  Durchblutungsstörungen, Diabetes mellitus  oder Infektionen eine schnelle Wundheilung“, erklärt Dr. Ingo Niemetz, hausärztlicher Internist mit Diabetologischer Schwerpunktpraxis und Aufsichtsratsmitglied DOXS eG. „Eine weitere Ursache sind Druckgeschwüre bei bettlägerigen Patienten“, so der Mediziner, der an dem IV-Vertrag teilnimmt.

Chronische Wunden sind psychisch belastend
„Chronische Wunden sind nicht nur ein medizinisches Problem, sondern auch psychisch belastend: Unter den ständigen Arztbesuchen und dem Gefühl, eine `unansehnliche´ Wunde zu haben, leiden viele Patienten mehr als unter der Wunde selbst“, sagt Dr. Stefan Pollmächer, Arzt für Allgemeinmedizin, Hausarzt, Psychotherapeut und Vorstand DOXS eG. „Chronische Wunden treiben viele Patienten in die Isolation, sie schotten sich ab und manche trauen sich nicht einmal, zum Arzt zu gehen“, so Dr. Pollmächer.  „Wir freuen uns, mit dem neuen IV-Vertrag zur Wundversorgung viele Patienten noch besser versorgen zu können“.  

Chronische Wunden verursachen hohe Kosten
Chronische Wunden bedeuten aber auch hohe Kosten für die Versicherer, darauf verweist Christoph Jaworski, Geschäftsführer der medicalnetworks CJ GmbH & Co. KG: „Die Behandlungskosten durch schwer verheilende Wunden werden jährlich deutschlandweit auf 2,5 Milliarden Euro geschätzt. Schlecht heilende Wunden sind auch ein volkswirtschaftlich bedeutsamer Faktor, denn die Patienten sind meist lange krankgeschrieben“, so Jaworski, dessen Managementgesellschaft im Gesundheitswesen neue, innovative Versorgungsformen entwickelt und Verträge zur integrierten Versorgung umsetzt.  „Die demographische Entwicklung stellt die Betriebskrankenkassen vor neue Herausforderungen. Die Ausgaben für die Behandlung von chronischen Wunden zeigen überdurchschnittliche Steigerungsraten, so dass Handlungsbedarf entsteht und neue Formen der Zusammenarbeit der medizinischen und pflegerischen Berufe von uns gefördert werden“, so Dr. Andreas Braun, Abteilungsleiter vom BKK Landesverband Hessen.

IV-Vertrag setzt auf optimale Vernetzung
Der neue IV-Vertrag, in den seit Oktober betroffene Versicherte von rund 60 Betriebskrankenkassen in Hessen einschreiben werden können, setzt auf eine optimale Vernetzung und Weiterbildung aller beteiligten medizinischen Fachkräfte sowie auf den Einsatz von modernen Wund- und Verbandsmaterialien. Auch Pflegedienste sind eingebunden – und es gibt, das ist das Besondere, eine digitale Pflegeakte, die alle Leistungserbringer und Institutionen verbindet, die an der Pflege und Behandlung des Patienten beteiligt sind. Dr. Braun vom BKK Landesverband erwartet dadurch „einen Gewinn für die Versicherten durch eine bessere Abheilung der Wunde mit einer modernen Wundtherapie und die Verhinderung von Sekundärinfektionen.“

Derzeit läuft innerhalb des IV-Vertrages zur Wundbehandlung die Testphase mit mehreren DOXS-Praxen, die ersten Patienten sind eingeschrieben. Überdies hat medicalnetworks einen Terminmanager für Wundpatienten konzipiert sowie eine Hotline installiert (Telefon 0561–766 855 30, werktäglich 9 bis 17 Uhr).  „Ausgewiesene Wundexperten der Initiative Chronische Wunden e.V. (ICW) mit speziellem Hygienefachwissen beantworten jederzeit alle Fragen rund um das Thema Wundversorgung.“ erklärt  Jaworski.  Auch Patienten, die von so genannten „Krankenhauskeimen“ betroffen sind, können die Hotline nutzen. Krankenhauskeime, multirestente Erreger (MRE) wie z. B. Multiresistente Staphylococcus aureus (MRSA), sind Bakterien, die resistent gegenüber den meisten Antibiotika sind und längst nicht mehr nur in Krankenhäusern vorkommen.

Vertragsabschluss ist in dieser Form bundesweit einmalig
„Der Vertragsabschluss zwischen DOXS, medicalnetworks und Betriebskrankenkassen ist bislang bundesweit einmalig, weil die Vertragspartner mit dem MRSA/MRE-Netzwerk kooperieren“,  sagt Dr. Karin Müller, Leiterin des Gesundheitsamtes Region Kassel, unter dessen Dach das MRSA/MRE-Netzwerk Region Kassel gegründet wurde. Das Netzwerk, das  dem MRSA/MRE-Netzwerk Nordhessen angehört, verfolgt das Ziel, die Ausbreitung von multiresistenten Keimen, speziell MRSA und MRE, zu verhindern. „Dies kann nur gelingen kann, wenn alle Beteiligten im Gesundheitswesen mitwirken“, so Dr. Müller. Mittlerweile haben sich viele Krankenhäuser von Stadt und Landkreis Kassel, ambulante Pflegedienste, Alten- und Pflegeheime, Arztpraxen und weitere als Mitglieder in das Netzwerk eingeschrieben.

Infoboxen
Ärzte und Psychotherapeutengenossenschaft DOXS eG
In der Ärzte- und Psychotherapeutengenossenschaft DOXS eG haben sich rund 350 Haus- und Fachärzte aus ganz Nordhessen zusammengeschlossen. Die im November 2007 gegründete Genossenschaft setzt sich dafür ein, dass die wohnortnahe ambulante medizinische Versorgung der Patienten dauerhaft sichergestellt und verbessert wird. Mit der engen Verzahnung von Hausärzten und Fachärzten will die DOXS eG unter anderem erreichen, dass Patienten der DOXS-Mitgliedspraxen schnell einen Facharzttermin erhalten, damit Behandlungsabläufe optimiert werden können.  Langfristig ist eine elektronische Vernetzung von Mitgliedspraxen geplant, um einen schnellen und sicheren Austausch von Untersuchungsergebnissen zu gewährleisten. Nicht zuletzt bietet die DOXS-Akademie zertifizierte Fortbildungen für Ärzte und Praxispersonal an. Auch Patientenseminare sind in Planung

MRSA/MRE-Netzwerk Nordhessen
Unter dem Dach des Gesundheitsamtes wurde im Herbst 2009 das MRSA/MRE-Netzwerk Region Kassel gegründet. Das Netzwerk verfolgt das Ziel, die Ausbreitung von multiresistenten Keimen, speziell MRSA und MRE, zu verhindern.  Dem Netzwerk gehören unter anderem viele Krankenhäuser von Stadt und Landkreis Kassel sowie Arztpraxen, ambulante Pflegedienste, Alten- und Pflegeheime an. Die Mitglieder verpflichten sich, die Spielregeln des Netzwerkes einzuhalten: einheitliche Diagnostik,  einheitliches Sanierungsschema und gesicherte Überleitung der Fakten von einem Leistungsträger zum nächsten.  Das Gesundheitsamt hat  die Funktion des Koordinators, bringt die verschiedenen Akteure mit ihren Ideen und Projekten zusammen.